Als im Jahre 1894 das Schloß in Privatbesitz überging, wurden alte Wirtschaftsgebäude im inneren Hofe, das Brauhaus und Backhaus, welche auf den Fundamenten des alten Pallas in Fachwerk errichtet waren, abgebrochen. Man ließ die noch wohl erhaltenen alten Keller unter ihnen bestehen. Der vordere unmittelbar an den Kellerhals anstoßende, wurde Kohlenkeller, in einen zweiten, senkrecht auf diesen stoßenden, wurde eine Regenwasserzisterne eingebaut. Der Eingang zu diesen Kellern liegt jetzt frei. Ehedem befand er sich im Hause.Die Kreuze am Weg Die Kreuze am Weg

Steigt man die zwanzig Stufen der Kellertreppe hinab und wendet sich links, so befindet man sich im Kohlenkeller, an dessen Außenwand sich ein enger Mauerschlitz befindet. Die Kelleranlage heißt im Volksmund der "Hexenkeller". Nur schwer waren weibliche Personen zu bewegen, ihn bei Dunkelheit zu betreten. Fest und steif wurde behauptet, im Keller sei es nicht geheuer, die alten Ritter seien dort begraben, die weiße Frau erscheine dort.

Eines Abends kamen zwei Mägde, die noch in später Stunde Kohlen holen mussten, Hals über Kopfmit allen Anzeichen des Entsetzens auf den Gesichtern herausgestürzt. Die Lampe lag in Trümmern im Keller, die Kohlenkasten daneben. Was war geschehen?

Die weiße Frau war ihnen leibhaftig im Keller begegnet. Nun wurde dem Besitzer des Schlosses die Sache doch zu bunt. Ich lasse seine Auslassungen darüber wörtlich folgen:

"Ich ging mit einem Licht bewaffnet in den Spukkeller, um die weiße Frau endlich persönlich kennen zu lernen. Mit Schaudern sah man mich die Kellertreppe hinuntergehen. An der offenen Tür oben, dicht gedrängt, Kopf an Kopf, Frau, Kind und Kegel. Es war eine helle Mondnacht. Die Kronen der alten Bäume im Wallgraben rauschten, das Käutzchen schrie: "komm mit, komm mit!" - Eulen antworteten aus dem nahen Habichtstal: huhu - hu - hu -! Schaurig genug war die Scenerie für ängstliche Gemüter. In dem Augenblick, in welchem ich, die Treppe hinter mir, in den Keller hineintrat, erlosch das Licht. Ein Aufschrei oben, ein weißer Lichtschein unten im Keller. Langsam stieg ich wieder hinauf. "Was war denn da unten?" "Das weiß ich noch nicht." "War sonst nichts?" "Doch! Auch ich habe einen weißen Schein im Keller gesehen." Aufkreischen der Mägde, verlegenes Schweigen der Anderen, also doch die weiße Frau. Ein alter weißhaariger Freund von der Wasserkante war zu Besuch. Er sprach das erlösende Wort: "Junge, Junge, du kommst mir wunderlich vor, du wirst doch nicht - ohne mich!" - "lieber Kerl, komm mit." Das Licht wurde angezündet. Zu Zweien stiegen wir hinab. Wieder ging das Licht an derselben Stelle aus, wieder der helle Schein, auch er hatte ihn gesehen. Tapfer, wie alle feuchtfröhlichen Poeten, schritt er trotz der Dunkelheit tiefer in den Keller hinein. Ein Krachen, ein Poltern und Stöhnen, er war verschwunden. Erneutes Aufschreien oben! Ich stieg allein die zwanzig Stufen hinauf und schickte nach einer Laterne. "Wo ist dein Freund?" - "Weiß ich nicht genau, augenscheinlich liegt er bei der weißen Frau." Da tönte von unten seine Stimme: "Habt ihr kein Licht?" Es dauerte ihm wohl zu lange, ehe die Laterne kam. Von oben bis unten voll Kohlenstaub und Petroleum, ohne Brille, halbblind, tastete sich Freund Wasserkante auf allen vieren die Treppe hinauf und kam zugleich mit der Laterne an. "Verdammte Kohlenkasten, blödsinnige Frauenzimmer, sie mit der Petroleumlampe mitten in den Weg zu werfen!"

Damit brach er das schaudervolle Schweigen. Und des Rätsels Lösung?

Durch den Mauerschlitz im ersten Keller wehte ein kalter Luftstrom vom Tal herauf und verlöschte das Licht. Aber die weiße Frau? Der Mond warf sein Licht durch denselben Spalt in den Keller. Sichtbar war das nur, wenn man den ersten Schritt in den Keller hinein getan hatte, später deckten die dicken Mauern den Spalt. Wer sollte wohl so eine einfache Erklärung glauben? Auch wir hatten ja den weißen Schimmer gesehen.

Der Hexenkeller blieb verrufen. Neue Nahrung erhielt die Sache durch einen eigenartigen Fund, der bald darauf gemacht wurde. Gelegentlich der Reparatur des Wasserbassins im Keller fand man eine etwa einen halben Meter im Geviert messende Nische mit Sandsteinbekleidung.

Ein dritter Keller wurde vermutet, die Nische geöffnet. Eine zwei Meter tiefe mit schwarzer Erde angefüllte ausgemauerte Kammer, in der ein Skelett eingebettet war, ohne irgendwelche andere Beigaben, als eine Steinkugel aus hartem Muschelkalk wurde gefunden.

Also hatte der Volksmund, die Überlieferung doch recht, im Keller war begraben worden!

Welches Geheimnis lag dem Funde zugrunde?

Der Phantasie bot er neue Nahrung zu allerlei geheimnisvollen Geschichten.

Lag über der Grabkammer die älteste Burgkapelle?
Handelt es sich um die Beisetzung eines der Burgvoigte unter ihr?
Fiel der Tote bei einer Belagerung und legte man ihm die Steinkugel, die seinen Tod herbeigeführt, mit in den Sarg?
Liegt ein Verbrechen vor, dessen Spuren man verwischen wollte?

Nie wird das Dunkel aufgeklärt werden, denn die Urkunden und Chronisten schweigen. Für dunklen Aberglauben eine neue Quelle!


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