Vor langer, langer Zeit amtierte in Tonndorfs Pfarre ein gelehrter Mönch aus dem Peterskloster in Erfurt. Die Urkunden nennen uns seinen Vornamen und reden reden von dem Pater Dietericus de Tuncdorp. Als Dominus, Herr, wird er bezeichnet, was als hohe Standesbezeichnung im Mittelalter galt. Manche sind der Ansicht, dass er der Familie der Burggrafen von Kirchberg entstammte, welche die Niederherrschaft Kranichfeld besaßen, in der der Vorname Dietrich erblich war. Wegen einer raschen unüberlegten Tat sei er als Sühne ins Kloster gegangen. Er war ein großer starker Mannn, ebenso furchtlos und ein Kämpfer für die Kirche. 1857 450 600Die Weisse Frau im kleinen Turm

Bei den Mönchen in Muncheszella an der Ilm war er ein gern gesehener Gast. Ob er dort nur betete und die Fastenübungen mitmachte, oder ob auch er herausgefunden hatte, dass der hochwürdige Abt von Muncheszella die schönsten Forellen in seinen Teichen hatte und zur besseren Verdauung dieser edlen Tiere einen hervorragenden Klosterwein hütete, der nicht auf thüringer Bergen gewachsen war, sagen die Chronisten nicht.

Einst kehrte Pater Dietericus zu später Stunde vom Kloster nach Tonndorf zurück. Als er aus dem Walde, die Hardt genannt, heraustrat, sah er im Lichte des Vollmonds die Burg auf der Höhe liegen. Er gedachte, wie einst an derselben Stelle der Graf von Orlamünde seine Feste erschaute, wie er voll Glück und Freude gewesen, nun bald sein trautes Weib umarmen zu können, wie er dann erschlagen wurde und seitdem die weiße Frau umgehe. Was sein Geist erdacht hatte, sah er im Weiterschreiten mit seinen Augen. Er sah von der Zinne der Burg eine weiße Gestalt herabschweben, sah sie bei den Sühnekreuzen haltmachen, und dann geradezu auf die Kirche gehen, die am Ende des Dorfes lag.

Pater Dietericus hatte ein tapferes Herz in der Brust. Vielleicht hatte des Abtes Abschiedstrunk noch seinen Mut gestärkt, kurzum, er fasste den Entschluß, das Wesen der Erscheinung feststellen, wappnete sich mit allen Teufels- und Hexenbeschwörungsformeln, betete ein Pater Noster und eilte, dem lichten Wesen zuvorzukommen. Der Weg dehnte sich. Immer heftiger wurde seine Begier, sie zu erreichen, geradenwegs lief er querfeldein auf sie zu.

 

Nebel senkten sich hernieder, immer dichter stiegen seine Schwaden aus dem Tale auf, immer wallender und länger wurde der lichte Schleier der weißen Frau. Der Mond schwand, der Schein blieb ihm im Auge. Nicht hörte er der Nachtalben spöttisch Lachen, merkte nicht der Mutter Erde heiteres Spiel mit ihren holden Kindern aus elfischem Geschlecht! - Als der Tag graute, befand sich der gute Pater völlig erschöpft mitten in den vom Tonndorf-Bach durchflossenen Wiesen am entgegengesetzten Teil des Dorfes.

Die aus dem Nebel herausragende Kirchturmspitze leitete ihn zur Pfarrei, wo seine alte Schaffnerin in größter Sorge und Angst auf ihn wartete. Drei Worte murmelte ihr Pfarrherr auf ihren fragenden Blick vor sich hin: "der Abt, die weiße Frau, der Nebel!"

Die alte erfahrene Frau hat sich daraus einen anderen Vers gemacht, als der gute Pater Dietericus ihr nach langem Schlaf am Nachmittage unter dem Siegel tiefster Verschwiegenheit von dem Wettlauf mit der weißen Frau erzählte. Aber einer einzigen guten Freundin, die verschwiegen war, wie das Grab, hat sie sich anvertraut, und da ist die Sache in den Volksmund gekommen!

 


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